Soriel

Hintergrund · Gemessene Häufigkeiten

Wie selten ein Horoskop ist

Fast jede Häufigkeitsangabe in der Astrologie ist geschätzt, abgeschrieben oder schlicht erfunden. Diese Seite zeigt gezählte Zahlen: wie oft jedes Merkmal eines Horoskops tatsächlich vorkommt, ermittelt aus derselben Ephemeride, mit der Soriel rechnet. Sie sind die Grundlage des „Seltenheit“-Panels, das in der kostenlosen App steckt.

Was hier gezählt wurde

Soriel hat die mitgelieferte JPL-Ephemeride über ihren vollen Zeitraum abgetastet: vom 4. Dezember 1899 bis zum 31. Januar 2101, in Schritten von einer Stunde. Das ergibt 1 763 329 Momente. Für jeden davon wurden die ekliptikalen Längen der elf Himmelskörper berechnet und daraus abgelesen, welche Merkmale vorliegen: Planet im Zeichen, Aspekte samt Orbis-Stufe, Rückläufigkeit, Mondphase, Aspektmuster, Chart-Form, Stellien. Gezählt, nicht geschätzt.

Wichtig und bewusst so formuliert: Das sind Geburtsmomente, keine Menschen. Reale Geburten verteilen sich nicht gleichmäßig über das Jahr und schon gar nicht über den Tag. Wer das einrechnen will, braucht ein Bevölkerungsmodell – und muss es dann auch belegen können. Soriel macht diese Annahme nicht, sondern sagt, was gezählt wurde.

Sonnenzeichen sind nicht gleich häufig

Ein Zwölftel des Tierkreises sind 8,33 %, und genau diese Zahl steht in fast jedem Artikel über Sternzeichen-Häufigkeit. Sie ist falsch – nicht dramatisch, aber messbar. Die Erdbahn ist eine Ellipse: Anfang Januar steht die Erde der Sonne am nächsten und läuft am schnellsten, Anfang Juli am weitesten entfernt und am langsamsten. Von der Erde aus gesehen zieht die Sonne im Januar also zügiger durch ihr Zeichen als im Juli. Deshalb dauert der Löwe länger als der Steinbock.

8,33 % – der Wert, den alle anderen drucken

Abweichung vom Zwölftel, stark vergrößert: Die volle Höhe entspricht ±0,30 Prozentpunkten. Die Kurve ist kein Rauschen, sondern die Erdbahn – ein sanfter Bogen von Widder bis Steinbock und zurück.
Sonne im Zeichen · Anteil aller abgetasteten Geburtsmomente
ZeichenHäufigkeit
Krebs 8,605 %
Zwillinge 8,571 %
Löwe 8,561 %
Stier 8,471 %
Jungfrau 8,454 %
Widder 8,333 %
Waage 8,313 %
Fische 8,196 %
Skorpion 8,180 %
Schütze 8,110 %
Wassermann 8,110 %
Steinbock 8,095 %

Der Unterschied zwischen dem häufigsten und dem seltensten Sonnenzeichen beträgt rund ein halber Prozentpunkt – gemessen an 8,605 % gegenüber 8,095 % also gut sechs Prozent relativ. Das ist keine Sensation, aber es ist eine Tatsache, und sie ist interessanter als die erfundene Gleichheit. Dieselbe Rechnung gilt für jeden anderen Planeten in jedem Zeichen; die App zeigt sie alle.

Rückläufig zur Geburt

Rückläufigkeit ist eine Perspektivsache: Ein Planet läuft nie rückwärts, er scheint es nur, wenn die Erde ihn überholt. Wie oft ein Planet rückläufig erscheint, hängt davon ab, wie langsam er sich bewegt – deshalb steigen die Anteile nach außen hin stetig an. „Merkur rückläufig“ ist alles andere als selten.

Rückläufig im Geburtsmoment · Anteil aller abgetasteten Momente
PlanetHäufigkeit
Pluto 44,18 %
Neptun 43,03 %
Uranus 41,21 %
Saturn 36,35 %
Jupiter 30,22 %
Merkur 19,17 %
Mars 9,43 %
Venus 7,23 %

Sonne und Mond fehlen, weil sie von der Erde aus nie rückläufig erscheinen können. Venus ist mit 7,23 % der seltenste Fall unter den übrigen – ein Venus-rückläufig-Geburtstag ist also tatsächlich ungewöhnlich, im Gegensatz zu Merkur mit 19,17 %.

Aspektmuster

Muster aus mehreren Aspekten – T-Quadrat, Großes Trigon, Großes Kreuz – gelten in der Deutung viel, und genau deshalb kursieren zu ihrer Häufigkeit die wildesten Angaben. Gezählt sieht es so aus (Hauptaspekte, Standard-Orbis):

Aspektmuster im Geburtshoroskop · Anteil aller abgetasteten Momente
MusterHäufigkeit
Großes Sextil 0,01 %
Großes Kreuz 1,53 %
Mystisches Rechteck 2,30 %
Drachen 6,19 %
Großes Trigon 7,74 %
T-Quadrat 37,25 %

Ohne Orbis ist eine Aspekt-Häufigkeit bedeutungslos

Ob zwei Planeten einen Aspekt bilden, entscheidet der Orbis – der zugelassene Spielraum um den exakten Winkel. Eine Aussage wie „diese Konjunktion ist selten“ ist ohne Orbis-Angabe wertlos, weil die Zahl mit dem Spielraum wächst. Soriel zählt deshalb pro Aspektpaar in drei Stufen:

Konjunktion nach Orbis-Stufe · Anteil aller abgetasteten Momente
Paarengmittelweit
☉ Sonne ☌ ☿ Merkur 2,88 %11,56 %23,51 %
♃ Jupiter ☌ ♄ Saturn 0,59 %2,21 %5,26 %

Die beiden Zeilen zeigen zugleich die Spannweite: Merkur entfernt sich von der Sonne nie weit, eine Sonne-Merkur-Konjunktion ist deshalb Alltag. Jupiter und Saturn treffen sich rund alle zwanzig Jahre – wer sie im Horoskop hat, teilt das mit einem schmalen Jahrgangsband, nicht mit einer Generation.

Aus demselben Grund misst das Seltenheit-Panel immer den Standard-Aspektsatz bei Standard-Orbis – nie deine eigenen Anzeige-Einstellungen. Wer in den Einstellungen die Orbis-Skala verstellt, sieht in Deutung und Aspektliste mehr oder weniger Aspekte; die Seltenheit bewegt sich nicht. Eine Bevölkerungsstatistik muss für jedes Horoskop gleich gemessen werden, sonst beschreibt sie ein Horoskop, das niemand hat.

Warum es keinen multiplizierten Gesamtwert gibt

Wo dieses Horoskop insgesamt in der Verteilung liegt. Die Einzelhäufigkeiten werden nicht multipliziert — Merkmale hängen voneinander ab (Venus bleibt immer nahe bei der Sonne). Stattdessen wird dasselbe Maß auf alle Stichproben angewendet und der Rang abgelesen.

Genau das macht Soriel: Dieselbe Kennzahl wird über alle 1 763 329 Stichproben gerechnet, daraus entsteht eine gemessene Verteilungskurve, und der Perzentilwert deines Horoskops ist sein Rang darin. „Ungewöhnlicher als 81 % aller Horoskope“ ist damit eine abgelesene Position, keine Multiplikation.

Das Seltenheit-Panel auf dem iPhone: ein Perzentilwert, die seltensten und die häufigsten Merkmale des Horoskops mit ihren Häufigkeiten
Das Panel in der App: der Perzentilwert, darunter die seltensten und – bewusst ebenfalls – die häufigsten Merkmale. Beispielhoroskop.

Was hier nicht gezählt wird

Aszendent, Medium Coeli, Häuserstellungen und alles, was daran hängt, fehlen – vollständig und absichtlich. Sie hängen nicht nur vom Geburtsmoment ab, sondern von Uhrzeit und Geburtsort. Eine ehrliche Häufigkeit dafür bräuchte ein Modell davon, wo und zu welcher Tageszeit Menschen tatsächlich geboren werden. Das ist eine echte Behauptung über die Welt, keine Rechnung mehr – also fehlt sie hier, statt still genähert zu werden.

Und der wichtigste Vorbehalt bleibt der schlichteste: Eine Häufigkeit ist keine Wertung. Ein seltenes Merkmal ist nicht stärker, nicht bedeutender und nicht besser als ein häufiges. Es ist nur seltener. Soriel zählt hier, es deutet nicht – die Deutung ist eine eigene, klar getrennte Schicht.

Die teilbare Seltenheits-Karte: großer Perzentilwert, darunter die seltensten Merkmale mit ihren Häufigkeiten, dazu der Hinweis auf den Zählzeitraum
Aus dem Panel heraus lässt sich eine Karte teilen – die den Zählzeitraum und den Hinweis „ungewöhnlich heißt nicht besser“ selbst mitträgt. Erzeugt auf dem Gerät; es wird nichts hochgeladen.

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